archivo

Posts mit dem Label Veracruz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Veracruz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 7. Juni 2012

Tlacotalpan

Auf dem Rückweg von der Küste haben wir in Tlacotalpan haltgemacht. Die Stadt, die zwischen dem Río Papaloapan, dem Río San Juan und der Lagune von Alvarado liegt, wurde vor knapp zwei Jahren von Hurricane "Karl" getroffen. Innerhalb von zwei Wochen wurde Tlacotalpan gleich zwei Mal überflutet und stand danach wochenlang zwei Meter tief unter Wasser. Die Bewohner wurden evakuiert, viele zelteten in Sichtweite der Stadt auf dem Damm, auf dem die Landstraße verläuft, um von dort aus mögliche Plünderer entdecken zu können. Aber das war gar nicht nötig, denn die Flut zerstörte alles.

Mittwoch, 6. Juni 2012

Wovon leben?

Es gibt durchaus Formen des Broterwerbs, zu denen keine Wälder gerodet werden müssen. In Playa Hermosa und einigen umliegenden Weilern gehen die Bewohner zum Beispiel der Strandfischerei nach. Es handelt sich um eine besondere Form des kollektiven Fischfangs, die früher offenbar in ganz Mexiko verbreitet war und heute nur noch in wenigen Regionen praktiziert wird. Morgens wird das Netz ausgelegt und nachmittags von den Dorfbewohnern gemeinsam eingeholt. Das Netz gehört einem der Fischer, der den Fang mit nach Hause nimmt und ein paar Fische unter die Helfer verteilt. Am nächsten Tag wird das Netz eines anderen Fischers ausgelegt, und so weiter, bis jeder mal dran war.

Dienstag, 5. Juni 2012

Leben im Paradies

"Wir haben hier keinen Handyempfang, kein Telefon, kein Internet, keinen Arzt, und das nächste Krankenhaus ist eine Stunde entfernt." So beschreibt uns Marcela Krauss das Leben in Playa Hermosa, dem "schönen Strand". Für Urlauber wie uns klingt das idyllisch, aber für die Menschen in der Gegend ist es alles andere als das. Deshalb ist unsere neue Bekannte gerade dabei, eine Initiative zu gründen, um Ersthelfer und vielleicht sogar Hebammen auszubilden. Dafür gibt es theoretisch Geld vom Staat, aber sie schlägt sich seit sechs Jahren mit den Auflagen der Bürokratie herum, die der Gründung einer gemeinnützigen Vereinigung unüberwindliche Hürden in den Weg legt.

Sonntag, 3. Juni 2012

Wasser ist Leben

Wenn man schon mal am Meer ist, dann will man auch drin schwimmen. Aber wenn meterhohe Wellen über eine Bucht rollen, dann sollte man sich vielleicht nach Alternativen umsehen. Deshalb sind wir an unserem ersten Tag in Playa Hermosa in einem der vielen Wildbäche der Gegend schwimmen gegangen und haben danach einen Ausflug zu einem Wasserfall unternommen. Die schweißtreibende Kletterei durch den Urwald hat unseren Tatendrang für den Tag allerdings schnell gestillt und wir haben die Hitze mit Cheladas -- eiskaltes Bier mit frischem Zitronensaft und Salz -- bekämpft.

Donnerstag, 31. Mai 2012

Fauna und Fotografie

Ich würde ja nun gern ein paar Bilder von der wunderbaren Fauna der Tuxtlas präsentieren. Doch für dilletantische Fotografen wie mich hat die Tier- gegenüber der Pflanzenwelt einen ganz entscheidenden Nachteil: Sie hat Beine oder Flügel. Die lieben Tierchen sind ja an sich schon schwer genug zu entdecken (ich sehe sie ja nicht mal, wenn sie mir am Knöchel kleben und mir gemütlich das Blut aus den Adern saugen), aber wenn ich sie denn mal sehe, sind sie davongehopst oder -geflattert, ehe ich die Kamera aus der Hosentasche gezogen und eingeschaltet habe. Zum Glück gab es in den Tuxtlas einige Tiere, die träge genug waren, um sich von mir fotografieren zu lassen.

Mittwoch, 30. Mai 2012

Los Tuxtlas

Auf unserer zweiten Station hatten wir nicht nur einen Swimmingpool für uns allein, sondern gleich eine ganze Bucht. Von Veracruz aus fuhren wir am Donnerstag weiter in die Tuxtlas, ein kleines Gebirge an der Golfküste. In einem Örtchen namens Playa Hermosa fanden wir ein hübsches Zimmer auf einem Felsen über dem Strand. Es war buchstäblich nicht mehr als Bett, Bad, Balkon und Brandung. Ach ja, und eine Hängematte mit Blick auf die Bucht.

Dienstag, 29. Mai 2012

Mocambo!

Es gab eine ganze Menge Gründe, uns endlich einen etwas längeren Urlaub zu gönnen. Lulú hat einen runden Geburtstag gefeiert und vorige Woche mit ihrer letzten Supervision ihre dreijährige Ausbildung zur Psychotherapeutin abgeschlossen. Und ich habe nach der vielen Stubenhockerei ein bisschen frische Luft um die Nase gebraucht. Aber wer braucht schon Gründe, um ein paar Tage Urlaub zu machen? Wir wollten schon länger ein paar schöne Ecken im Bundesstaat Veracruz besuchen, und das haben wir jetzt endlich nachgeholt.

Dienstag, 22. Mai 2012

Aller guten Dinge sind drei

Es war der dritte Aufstieg auf den Cofre de Perote innerhalb von zwei Monaten, und vermutlich auf lange Sicht der letzte. Ich schreibe das Wort Aufstieg jetzt auch nicht mehr in Anführungszeichen, carajo, denn obwohl wir nicht mit Seilen und Eisen zu Werke gehen, ist ein Aufstieg von 3100 auf knapp 4300 Meter kein Bummel durch die Fußgängerzone.

Samstag, 19. Mai 2012

Cofre de Perote zum Zweiten

Ehe wir morgen zum dritten Mal mit unserem Wanderclub auf den Cofre de Perote steigen, will ich noch schnell ein paar Fotos einstellen, die ich vorigen Sonntag auf knapp 4000 Metern gemacht habe. Vorige Woche sind wir nicht bis auf den Gipfel gestiegen, weil der Nebel zu dicht war. Ich war allerdings sehr dankbar, denn diesmal habe ich die Höhe stärker gespürt als beim ersten Mal. Schaumermal wie's morgen wird.

Samstag, 7. April 2012

Wandertag 2

Heute bin ich wie angekündigt mit der neu entdeckten Wandergruppe auf den knapp 4300 Meter hohen Cofre de Perote gestiegen, unseren Hausberg, den wir jeden Morgen beim Laufen sehen. (Lulú ist zuhause geblieben, weil ihre Eltern zu Besuch sind.) Obwohl der Cofre Luftlinie kaum weiter entfernt ist als Teocelo, das Ziel der Vorwoche, hätte die Landschaft kaum unterschiedlicher sein können -- statt durch den üppig grünen Nebelwald mit Bananenstauden und Kaffeeplantagen ging's diesmal durchs karge Hochgebirge mit Kiefernwäldern und blanken Felsen.

Montag, 24. Oktober 2011

Orchideen und Zucker

Coatepec steht nicht nur für Kaffee und Zucker, sondern auch für Orchideen. Von den 1200 in Mexiko vorkommenden Arten wächst etwa ein Viertel im Nebelwald um Coatapec. Viele Nachbarn in der Pitaya haben Orchideen im Garten. Vor einigen Monaten hat der Orchideen-Sammler Isaías Contreras Juárez seine private Sammlung für ein breites Publikum geöffnet und das erste Orchideen-Museum des Landes geschaffen. Wer nach Coatapec kommt, sollte unbedingt im Jardín de Orquideas vorbeischauen.

Samstag, 19. März 2011

Frühjahrsbeginn

Das Frühjahr hat in Mexiko angeblich schon heute Nachmittag um 17:21 begonnen. Passend dazu ein Video über die Voladores de Papantla, die "Vogelmenschen" aus der Region um die Pyramidenstadt El Tajín im Norden von Veracruz, und ihr Fruchtbarkeitsritual.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Los Dulces

»WIR VERGNÜGTEN UNS auf den Kirchplätzen, zogen durch die Straßen und stürmten die Süßwarenstände unter den Arkaden. Dort überfraßen wir uns ein ums andere Mal an gelierten und gefüllten Orangen und Zitronen, kandierten Pfirsichen, Kürbisstücken und Kaktusfeigen, eingelegten Quitten und Äpfeln, türkischem Honig, Karamell und Konfekt, bunten Zuckerbonbons, gebrannten Mandeln, alles in Mengen, alles billig und alles begeisternd. Unsere arme Mama, die sonst so sparsam war, konnte der Versuchung der Süßigkeiten nicht widerstehen, weshalb wir unsere kärglichen Ersparnissen in den Arkaden ließen, und ich glaube manchmal sogar einen Teil dessen, der für unsere täglichen Mahlzeiten bestimmt war.« (José Vasconcelos, Ulises Criollo)

Freitag, 1. Oktober 2010

Karl und kein Ende

Im April haben wir auf dem Rückweg von Catemaco nach Xalapa zwei Tage Zwischenstopp in Tlacotalpan gemacht, einem kleinen Ort auf einer Insel im Río Papaloapan im Süden von Veracruz. Bis ins 19. Jahrhundert war das Örtchen ein wichtiger Hafen, aber da die großen Schiffe die Flussmündung nicht mehr passieren konnten, legen an der Mole nur noch die Fischer an, die Besucher an der Promenade entlang schippern, damit diese ihre kitschigen Touristenfotos machen können (siehe oben). Die meisten der gut fünfhundert Gebäude aus der Kolonialzeit sind liebevoll restauriert, 1998 wurde das einmalige Ensemble ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Wir haben damals in einem historischen Hotel direkt am Fluss übernachtet, leckeren Fisch gegessen und abends auf dem Platz ein Konzert gehört. Nach dem Regen der letzten Wochen tummeln sich in unserem Bett von damals vermutlich die Fische, und auf dem Platz plätschert die Wassermusik.

Dienstag, 21. September 2010

Nach dem Sturm

Am Freitagmittag traf Huracán Karl mit Windstärken um 200 Kilometer pro Stunde auf die Küste des Bundesstaates Veracruz. Es war der schwerste Sturm seit Menschengedenken, aber das Schlimmste war nicht der Wind, sondern der starke Regen. Der hat weite Teile der Küstenebene von den Tuxtlas bis Nautla überschwemmt und die Flüsse im Landesinnern über die Ufer treten lassen. In rund 70 Prozent der Gemeinden des Bundesstaates wurde der Notstand ausgerufen. Am schlimmsten betroffen ist die Region um die Hafenstadt Veracruz, in der mehr als eine Million Menschen leben. Hier stehen immer noch große Teile des Stadtgebiets unter Wasser und Stadtteile auf trockengelegtem Marschland drohen, im Meer zu versinken. Auf einer Strecke von mehr als  Hundert Kilometern entlang der Küste wurden Brücken fortgerissen, Landstraßen und Autobahnen unterspült, Telefon- und Stromleitungen unterbrochen und Schulen und Krankenhäuser zerstört. Die Wohnhäuser von rund 500.000 Menschen wurden durch das Hochwasser beschädigt, rund 50.000 Menschen verloren ihr Zuhause, und mehrere Tausend Flutopfer befinden sich noch in Notaufnahmelagern (unter anderem dem Fussballstadion der Tiburones). Es fehlt an Trinkwasser und Medikamenten, vereinzelt werden Supermärkte und Geschäfte geplündert. Auf dem Land wurden geschätzte 150.000 Tonnen der Zuckerernte zerstört. Als wäre das noch nicht genug, drohen jetzt auch noch Typhus und Dengue.

Sonntag, 25. Juli 2010

Kirmes in Xico

Warum sollte sich jemand freiwillig einer 500 Kilogramm schweren lebenden Dampframme in den Weg stellen? Warum sollte er sich auf die Hörner nehmen, in die Luft schleudern, über den Boden zerren und platt trampeln lassen? Warum sollten Zehntausende Menschen auch noch dabei zuschauen? Und überhaupt, was habe ich da verloren? Warum stehe ich mir stundenlang die Beine in den Bauch, um mir dieses Spektakel anzusehen? Warum recke ich den Hals, um auch noch den letzten Tropfen Blut zu sehen, der über das Pflaster fließt?

Sonntag, 11. Juli 2010

Allgäuer Alpen?

Nein, Holstein-Vieh unter dem Cofre de Perote. Am Samstag sind wir von Xico aus ein Stück in die Sierra gefahren, nach Ixhuacán de los Reyes. Leider hat es die ganze über Zeit geregnet, und wir haben den Cofre und die tief eingeschnittenen Täler der Sierra nicht einmal schemenhaft gesehen. Aber der Nebelwald mit seinen riesigen, dick mit Orchideen und Agaven überwucherten Bäumen war trotzdem beeindruckend. Kurz vor Ixhuacán hat der Regen ein wenig nachgelassen, und im Ort konnten wir immerhin einmal um den Platz gehen, ohne nass zu werden.

Mittwoch, 9. Juni 2010

Das bittere Geschäft mit dem Süßen

habe ich letzten Samstag in der Zuckerfabrik von Mahuixtlán näher kennengelernt. Rund um Xalapa wird Zuckerrohr angebaut, und kommendes Wochenende geht für dieses Jahr die Ernte zu Ende. Das wollte ich ausnutzen, um die Fabrik noch unter Dampf zu erleben. Aber es war gar nicht so einfach, ein Interview zu bekommen.