Faul lümmeln wir auf dem schwiegerelterlichen Sofa und blicken lethargisch ins Leere. Das üppige Mittagessen hat sich ein wenig gesetzt, und obwohl von Hunger noch keine Rede sein kann, spüre ich irgendwo im Magen einen winzigen Hohlraum. Dieses feine Gespür habe ich erst im Land der Dickerchen entwickelt, und ich bin nicht der einzige, der ihn in diesem Moment fühlt.
"Soll ich ein paar Quesadillas machen?" fragt Lulú.
"Warum nicht?" antworte ich.
"Wir haben keine Tortillas", antwortet Lulús Mutter.
"Sandwiches?"
"Okay."
"Wir haben auch keinen Käse."
Ein resigniertes Schweigen macht sich breit. Plötzlich hören wir von draußen einen schrillen Pfiff.
"Camotes!" ruft Lulú.
Wenige Sekunden später stehen wir vor dem Tor.
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Montag, 27. Februar 2012
Donnerstag, 8. Dezember 2011
La Guadalupana
Eigentlich wollten wir heute nach Mexiko fahren, aber vielleicht war es besser, dass wir zu Hause geblieben sind. Nicht nur, weil ich mir eine Erkältung eingefangen habe, sondern auch, weil am 12. Dezember der Tag der Jungfrau von Guadalupe ist. Das ist der große Feiertag der Mexikaner, vielleicht noch wichtiger als der Nationalfeiertag. Schon Tage vorher ist das ganze Land ist auf den Beinen. Wo immer ein Marienaltar steht (und es gibt viele), werden die Straßen gesperrt. Allein in der Basilika in Mexiko-Stadt werden mehr als sechs Millionen Gläubige erwartet. Über die Autobahnen und Landstraßen marschieren, joggen und radeln die Pilgerzüge in die Stadt, komplett mit Begleitkonvois à la Tour de France. Wer da nicht mitradelt, macht besser Platz.
Sonntag, 20. November 2011
Frohe Weihnachten!
Als meine Schwägerin Adriana hörte, dass wir am Wochenende nach Mexiko fahren wollten, rief sie an, um uns zu warnen: Wir sollten lieber zuhause bleiben, die Stadt werde sich in ein Inferno verwandeln. Im ganzen Land sei eine gigantische Verkaufsaktion geplant. Die großen Kaufhausketten wollten nach dem Vorbild der Gringos von Freitag bis Montag beispiellose Rabatte geben, und der Präsident habe die Auszahlung des Weihnachtsgelds für die Staatsbediensteten vorgezogen, damit sie die Aktion nutzen konnten. Buen fin -- schönes Wochenende hieß diese noch nie dagewesene Gemeinschaftsinitiative von Staat und Einzelhandel. Sonntag, 30. Oktober 2011
Muertos!
Es ist wieder soweit, die mexikanischen Toten besuchen ihre bucklige Verwandtschaft. Überall in der Stadt werden ihnen zu Ehren Altäre aufgebaut und mit orangefarbenen Blumen namens Cempasuchils Wege markiert, damit die Toten auch in den richtigen Häusern spuken. Aber sie statten nicht nur Privatbesuche ab, sondern fallen über die gesamte Öffentlichkeit her.
Als wir am Wochenende nach Coyocán kamen, spielten Kinderskelette rund um den großen Brunnen Fussball, hüpften Seil, musizierten und tanzten. Horden von Skeletten kletterten über Zäune und Mauern. In den Geschäften und Cafés saßen die Catrinas mit ihren Hüten und Federboas, von den Balkonen winkten Skelette. Die Toten mischen die Stadt richtig auf.
Als wir am Wochenende nach Coyocán kamen, spielten Kinderskelette rund um den großen Brunnen Fussball, hüpften Seil, musizierten und tanzten. Horden von Skeletten kletterten über Zäune und Mauern. In den Geschäften und Cafés saßen die Catrinas mit ihren Hüten und Federboas, von den Balkonen winkten Skelette. Die Toten mischen die Stadt richtig auf.
Samstag, 8. Oktober 2011
La Trova 2
Ein mürrischer Glatzkopf in Unterhemd und Trainingshosen öffnet uns die Tür. Ob wir noch ein wenig warten können? Von der Straße aus sehen wir zu, wie er leicht gebückt ins Dunkel schlurft, einige Lichter anknipst, Stühle von Tischen nimmt, Tischdecken auflegt. In der Zeitung hatte gestanden, die Peña würde um sieben Uhr öffnen, jetzt ist es kurz vor acht. Zum Glück hat der Regen noch nicht begonnen. Zehn Minuten später kommt der Alte zurück an die Tür und nickt. Wir dürfen.
Samstag, 3. September 2011
Postkarte aus dem Drogenkrieg 2
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| Keine Soldaten mehr © La Otra División Del Norte |
Ich danke dem Autor für die Genehmigung, seinen Text übersetzen und hier wiedergeben zu dürfen.
Montag, 27. Dezember 2010
»Danke, dass du deine Seele der Kunst schenkst«
"Aber wir haben doch nichts mehr gesagt", bekommt man in Mexiko oft zu hören, wenn man ein Treffen - egal ob ein Essen mit Freunden oder eine Besprechung mit Geschäftspartnern - eigentlich ganz fest vereinbart hat und am Ende trotzdem versetzt wird. Verabredungen sollte man dringend am Tag vor dem Termin noch einmal bestätigen, und vielleicht auf dem Weg dorthin noch einmal kurz anklingeln.Vor Weihnachten hatte ich über Facebook ein Interview mit dem Grafitikünstler "El Madres" vom MotherMonkey Collective in Coyoacán verabredet und war erstaunt, als er mir den Termin gleich zweimal bestätigt und mir obendrein eine Mail mit Weihnachtensgrüßen geschickt hat.
Samstag, 11. Dezember 2010
La Guadalupana
Die Herrschaften links im Bild sind unterwegs zur Basilika de Guadalupe im Norden von Mexiko-Stadt, um der Jungfrau von Guadalupe, der Nationalheiligen von Mexiko, ein Tänzchen darzubieten. Die (bzw. ihre Erscheinung) hat nämlich am 12. Dezember Geburtstag, und bei der Gelegenheit pilgern geschätzte sechs Millionen Gläubige aus dem ganzen Land zur Basilika, um ihr Geschenke und Ständchen zu bringen. Das Fernsehen ist live dabei, wenn um Mitternacht Gläubige, Mariachis, Priester, Bandas und Soap-Opera-Stars der Jungfrau "Las Mañanitas" singen.
Dienstag, 5. Oktober 2010
Freitag, 3. September 2010
Auf dieses Buch...
...das vor knapp einem Jahr erschienen ist, wollte ich schon länger mal hinweisen. Der Verlag schreibt:
Die mexikanische Künstlerin Frida Kahlo (1907–1954) führte in jeder Hinsicht ein leidenschaftliches Leben, mit dem sie bis heute jede Generation von Frauen begeistert. Auf ihren legendär gewordenen Selbstporträts erscheint Frida Kahlo als exotische Schönheit. Doch unter ihren prächtigen Gewändern verbarg Frida Kahlo einen schwer verletzten Körper und eine zutiefst verwundete Seele – Folgen eines Unfalls im Alter von 18 Jahren und ihrer schwierigen Beziehung zu dem Maler Diego Rivera, der Liebe ihres Lebens.
Donnerstag, 12. August 2010
»Danke, dass ihr unsere Realität in Frage stellt«
Auf Hauswände zu malen, um damit Bildung oder Botschaften zu vermitteln, hat in Mexiko eine lange Tradition, von den Azteken bis Diego Rivera. Der letzte Schrei sind Stencils, also Vorlagen, die aus Pappe ausgeschnitten werden, um das Bild dann einfach und schnell auf die Wand sprühen zu können. Eine andere Methode besteht darin, die Stencils auf Papier vorzubereiten und dann nur noch eilig auf eine Wand zu tapezieren. Eine Künstlergruppe, die sich auf Stencils spezialisiert hat, ist das Mother/Monkey Collective aus Mexiko-Stadt. Die Gruppe ist inzwischen bekannt, dekoriert Clubs und hat im Rahmen der Aktion "expresa tu calle" in Coyoacán eine Hausfront bemalt. Die folgenden Stencils stammen sämtlich aus Coyoacán. Das eine oder andere ist allerdings nicht vom Mother/Monkey Collective, aber ganz sicher sein kann man sich natürlich nicht, denn die Stencils haben zwar eine Hand-, aber keine Unterschrift.
Mittwoch, 4. August 2010
¡Provecho!
Ein Besuch in der Stadt ist nichts ohne einen Besuch in meiner Lieblings-Taquería Sonora Grill in der Colonia Del Valle - eher up-scale, der Laden. Mindestens genauso lecker wie die Filet-Tacos sind die verschiedenen Salsas, die es dazu und vorneweg mit Totopos und Bohnen gibt: Chile Piquín, Tres Chiles, Chile Serrano, Chile mit Erdnuss, Chile mit Tamarinden, Chile Morita mit grünen Tomaten... ¡Buen provecho!
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