Im Schatten der Brücke von Xalitic in Xalapa räkeln sich der Mezcaldrache und sein Freund, das rosa Kaninchen. Im Gesträuch gegenüber träumt still vergnügt ein junger Lurch, während die Jungfrau hold lächelnd aus einem unerschöpflichen Krug Wasser die Stufen hinunter rinnen lässt. Ah, Wasser, das tut jetzt gut.
Er hat es aber auch schwer in sich, der Mezcal.
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Dienstag, 8. Mai 2012
Donnerstag, 22. März 2012
Die Wolke
Es ist der Tag nach Frühjahrsbeginn, draußen scheint die Sonne und ich sitze wie immer am Computer. Gerade hat mir mein Schwiegervater den Link zur Botschaft einer geheimnisvollen Illuminati-Sekte geschickt, die ein heftiges Erdbeben für Mexiko-Stadt vorhersagt. Unter der Überschrift "Warnung für den 22. März!" ist ein Bild der Erde mit verschiedenen Winkeln und Achsen abgebildet, das erklären soll, warum die Erde heute um 16:45 einen kleinen Ausfallschritt machen und Mexiko durchrütteln wird. Ich habe keine Zeit für den Weltuntergang, meine Lektorin wartet darauf, dass ich meine Übersetzung abliefere. Freitag, 24. Februar 2012
Donnerstag, 23. Februar 2012
Dienstag, 21. Februar 2012
Nach dem Regen
Xalapa hat auch seine schönen Tage. Wirklich. Gestern war wieder so einer. Die Stadt versinkt nicht dauernd im Nebel. Immer seltener sogar, wenn man den Einheimischen glauben darf, die beim Gedanken an das legendäre Nieselwetter von Xalapa ganz feuchte Augen bekommen. Da mir bei diesem elenden Nebel alles feucht wird, Klamotten, Bettdecken, Bücher, alles, nur nicht die Augen, muss ich mich gelegentlich daran erinnern, dass die Sonne wiederkommt. Bestimmt.
Montag, 20. Februar 2012
Sonntag, 19. Februar 2012
Im Nebelwald
Plötzlich hörten wir hinter uns ein Wiehern und wildes Hufgetrappel. Erschrocken drehten wir uns um und sahen, wie aus dem dichten Nebel die Schemen von drei Reitern auftauchten, die im Galopp auf uns zu geritten kamen. So einen Satz wollte ich doch schon immer mal schreiben.
Sonntag, 5. Februar 2012
Psychomagie
Ein paar Tage nachdem Lulú Ihre Prüfung zur Psychotherapeutin bestanden hat, entdecken wir auf der Fahrt durch Xalapa an einer Markthalle die Werbung einer Kollegin namens Sabina.
"Energetische Reinigungen, Kartenlesen, Aura-Reinigung, Hilfe bei der Arbeit" bietet die Dame an. Die nächsten paar Punkte kann ich nicht lesen, dann folgen "Schrecken" (eine mexikanische Kinderkrankheit) und "Heilkräuter". Das Wellness-Paket einer vielseitigen und gut ausgebildeten Hexe eben.
"Scharlatan", motze ich.
"Wahrscheinlich stehen die Leute Schlange", antwortet Lulú.
"Energetische Reinigungen, Kartenlesen, Aura-Reinigung, Hilfe bei der Arbeit" bietet die Dame an. Die nächsten paar Punkte kann ich nicht lesen, dann folgen "Schrecken" (eine mexikanische Kinderkrankheit) und "Heilkräuter". Das Wellness-Paket einer vielseitigen und gut ausgebildeten Hexe eben.
"Scharlatan", motze ich.
"Wahrscheinlich stehen die Leute Schlange", antwortet Lulú.
Donnerstag, 26. Januar 2012
"Caaaaaacahuates calientitoos!"
"Heiße Erdnüsse!" krächzte der hagere alte Mann, der mit einem großen Sack über der Schulter vor dem Fenster der Kneipe vorbei ging. An der Straßenecke blieb er stehen und stellte den Sack auf dem Boden ab. Dann setzte er sich daneben auf die Bordsteinkante und schnarrte wieder seinen monotonen Singsang:"Caaaaaacahuatescalientitoos!"
Er zog die beiden Worte zu einem zusammen, sang jede Silbe monton auf derselben Note und zog dabei das erste A in die Länge, bis es so lang war wir die übrigen Silben zusammen.
Wir saßen in La Caña, einer Kneipe am Rande der Altstadt von Xalapa mit Blick auf die Seen der Universidad Veracruzana. Caña ist eigentlich ein Rohrschnaps, aber der wird hier nicht ausgeschenkt. Stattdessen sind die Spezialitäten internationale Biere aus der Spezialitätenbrauerei Beerfactory in Mexiko-Stadt und deutsche "Würst", wie sie in der Karte heißt. Lulú meint, als Deutscher müsse ich regelmäßig Wurstrationen zu mir nehmen, mich interessiert allerdings eher das hopfige Pils.
Samstag, 12. November 2011
Norte
Jetzt beginnt sie wieder, die Zeit der legendären Nortes: der gefürchteten Tiefdruckgebiete, die von Norden Nebel, Regen und vor allem saumäßig kalte Luft an die Golfküste von Mexiko bringen. In einem Land ohne Heizung helfen da nur Heißgetränke und die Handschuhe von Muttern.
Montag, 3. Oktober 2011
Im Nebelwald
Vergangenen Sonntag waren wir wieder im Nebelwald unterwegs, diesmal auf 2300 Metern. Wie wir mit dem Chevy über die steile Schotterpiste zum Ausgangspunkt unserer Wanderung in El Zapotal gekommen sind, kann ich mir selbst nicht erklären. Ein Führer aus dem Dorf hat uns über Trampelpfade zu einem spektakulären Wasserfall geführt. Angeblich kann man in dem kleinen See unter dem Wasserfall auch schwimmen, aber für meinen Geschmack hatte die Dusche ein bisschen viel Druck. Nass geworden sind wir aber auch so -- in der Gischt des Wasserfalls..Donnerstag, 1. September 2011
Postkarte aus dem Drogenkrieg
Das Telefon klingelt und ich schieße aus dem Bett. Am Apparat ist mein Schwiegervater aus Mexiko-Stadt. Was denn in Xalapa los sei, will er wissen.
"Wieso?" frage ich.
"Was, wieso? Sag mir nicht, dass du es nicht weißt?" Er ist außer sich. "In Xalapa hat es eine Schießerei zwischen dem Militär und den Zetas gegeben! Bekommt ihr denn gar nichts mit?"
Ich lege mich wieder ins Bett. "Dein Vater macht sich Sorgen", sage ich zu Lulú. "Die Zetas haben Xalapa übernommen und wir sollen auf keinen Fall vor die Tür gehen. Als ob wir in Ciudad Juárez leben."
Nach dem Frühstück suche ich auf der Internetseite des Diario de Xalapa, was wirklich passiert ist. Tatsächlich, es hat eine Schießerei gegeben.
"Wieso?" frage ich.
"Was, wieso? Sag mir nicht, dass du es nicht weißt?" Er ist außer sich. "In Xalapa hat es eine Schießerei zwischen dem Militär und den Zetas gegeben! Bekommt ihr denn gar nichts mit?"
Ich lege mich wieder ins Bett. "Dein Vater macht sich Sorgen", sage ich zu Lulú. "Die Zetas haben Xalapa übernommen und wir sollen auf keinen Fall vor die Tür gehen. Als ob wir in Ciudad Juárez leben."
Nach dem Frühstück suche ich auf der Internetseite des Diario de Xalapa, was wirklich passiert ist. Tatsächlich, es hat eine Schießerei gegeben.
Sonntag, 27. März 2011
Xalapa bei Nacht
Eigentlich will ich ja nicht über Verbrechen und Korruption in Mexiko schreiben. Aus Prinzip nicht, und weil die deutsche Online-Journaille sowieso schon ausführlichst über die Gräuel in Mexiko berichtet, weshalb bestens bekannt ist, dass in Mexiko das Blut in den Straßen fließt, während sich die korrupte Polizei mit den Drogenbanden verbrüdert. Aber da der Spiegel natürlich längst nicht alles im Blick hat, muss ich nun doch mit einem knallharten Tatsachenbericht in die Bresche springen und schonungslos die Wahrheit über das Unwesen der Korruption in Xalapa enthüllen.
Donnerstag, 10. März 2011
Naturschutz auf mexikanisch
Während wir den Bach entlang den Berg hinauf steigen, frage ich die Führerin unserer Gruppe, wie die Dorfbewohner denn auf den Gedanken gekommen seien, ihren Gemeindewald nicht weiter abzuholzen, sondern in ein Naturschutzgebiet umzuwandeln.
"Gute Frage", antwortet sie. "Denn weiter oben wachsen Nadelbäume, und die bringen eine Menge Geld, wenn man sie fällt und verkauft. Aber es ist nicht so klar, wem der Wald eigentlich gehört. Die Leute aus dem Dorf haben sich alle mal unten im Tal niedergelassen und ein paar sind dann immer weiter den Berg rauf gezogen. Sie haben sich das Land einfach genommen und angefangen, die Bäume abzuholzen. Aber irgendwann hat dann ein Streit angefangen zwischen denen unten im Dorf, und denen, die weiter nach oben gezogen sind, wer die Bäume fällen darf. Es hat sogar Tote gegeben. Danach haben sie den Wald zwanzig Jahre lang nicht mehr angerührt..."
"Gute Frage", antwortet sie. "Denn weiter oben wachsen Nadelbäume, und die bringen eine Menge Geld, wenn man sie fällt und verkauft. Aber es ist nicht so klar, wem der Wald eigentlich gehört. Die Leute aus dem Dorf haben sich alle mal unten im Tal niedergelassen und ein paar sind dann immer weiter den Berg rauf gezogen. Sie haben sich das Land einfach genommen und angefangen, die Bäume abzuholzen. Aber irgendwann hat dann ein Streit angefangen zwischen denen unten im Dorf, und denen, die weiter nach oben gezogen sind, wer die Bäume fällen darf. Es hat sogar Tote gegeben. Danach haben sie den Wald zwanzig Jahre lang nicht mehr angerührt..."
Freitag, 4. März 2011
Mittwoch, 2. März 2011
Las Cañadas de Pixquiac
Letztes Wochenende war Lourdes in Mexiko und ich zum Wandern in den Bergen. Veranstalter war eine NGO namens Senda aus Xalapa, die mit einer Dorfgemeinschaft (einem Ejido) am Rio Pixquiac zusammenarbeitet, um die Rodung des Nebelwaldes zu verhindern. Die Bewohner des Ejido haben 250 Hektar ihrer Allmende unter Schutz gestellt und veranstalten geführte Wanderungen durch den Wald, um sich ein paar Pesos zu verdienen. Ich fand das Projekt und die Wanderung prima. In meinem Eifer hatte ich auf der Webite der NGO allerdings einen kleinen Hinweis übersehen: Dauer: 10 Stunden. Schwierigkeitsgrad: mittel bis hoch.
Montag, 28. Februar 2011
Donnerstag, 17. Februar 2011
Sonntag, 16. Januar 2011
Der beste Kaffee Mexikos
kommt angeblich aus der Region um Xalapa, oder besser Coatepec, am Fuße des Cofre de Perote. Seit Ende Dezember ist Erntezeit; in Xico ist der Kaffee angeblich schon komplett abgeerntet, bei uns im Garten werden aber gerade erst die ersten Beeren reif. Zum Glück gibt es den Kaffee das ganze Jahr in den Läden und Cafés der Kaffee-Röstereien der Region. Das Kaffeetischchen auf dem Foto steht in einem Café von Bola de Oro, einer der größten Haciendas der Region, die vielleicht den besten der besten Kaffees herstellt (wenn da überhaupt noch Steigerungen möglich sind).
Dienstag, 11. Januar 2011
Auf seiner berühmten Reise...
...durch Mexiko, das damals noch "Neuspanien" hieß, machte Alexander von Humboldt im Frühjahr 1804 auch in Xalapa Station. Der preussische Gelehrte bereiste die Kolonie im Auftrag des spanischen Königs, unter anderem, um die Rohstoffvorkommen zu erkunden. Auf Spanisch erschien sein fünfbändiger "Aufsatz" über Mexiko allerdings erst 1822, pünktlich zur Unabhängigkeit. Trotzdem blieb die Wirkung nicht aus. Humboldts Begeisterung beflügelte die Fantasie europäischer Anleger, die wie die Heuschrecken über die Anleihen des jungen Landes herfielen. Es kam, wie es immer kommt: Die Spekulationsblase platzte. Mexiko konnte seine Schulden nicht bedienen, die ausländischen Gläubiger zettelten eine Invasion nach der anderen an und das Land versank im Bürgerkrieg. So kann es kommen, wenn Deutsche über Mexiko schreiben.Aber zurück zu Xalapa. Alejandro de Humboldt, der "zweite Entdecker Amerikas", verpasste der Stadt in der Sierra Madre Oriental den Beinamen "Stadt der Blumen" und verfasste in seiner leicht unterkühlten Gelehrtenprosa eine nicht unfreundliche Beschreibung, die sich auf Deutsch ungefähr so liest:
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