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Dienstag, 11. Januar 2011

Auf seiner berühmten Reise...

...durch Mexiko, das damals noch "Neuspanien" hieß, machte Alexander von Humboldt im Frühjahr 1804 auch in Xalapa Station. Der preussische Gelehrte bereiste die Kolonie im Auftrag des spanischen Königs, unter anderem, um die Rohstoffvorkommen zu erkunden. Auf Spanisch erschien sein fünfbändiger "Aufsatz" über Mexiko allerdings erst 1822, pünktlich zur Unabhängigkeit. Trotzdem blieb die Wirkung nicht aus. Humboldts Begeisterung beflügelte die Fantasie europäischer Anleger, die wie die Heuschrecken über die Anleihen des jungen Landes herfielen. Es kam, wie es immer kommt: Die Spekulationsblase platzte. Mexiko konnte seine Schulden nicht bedienen, die ausländischen Gläubiger zettelten eine Invasion nach der anderen an und das Land versank im Bürgerkrieg. So kann es kommen, wenn Deutsche über Mexiko schreiben.
    Aber zurück zu Xalapa. Alejandro de Humboldt, der "zweite Entdecker Amerikas", verpasste der Stadt in der Sierra Madre Oriental den Beinamen "Stadt der Blumen" und verfasste in seiner leicht unterkühlten Gelehrtenprosa eine nicht unfreundliche Beschreibung, die sich auf Deutsch ungefähr so liest:
    »Jalapa am Fuße des Basaltberges Macuiltépec in angenehmer Lage. Das Kloster San Francisco, wie alle von Cortés gegründeten, wirkt von Weitem wie eine Festung... Von dort aus hat man einen hervorragenden Blick über die kolossalen Gipfel des Cofre de Perote und des Pico de Orizaba, die Hänge der Kordilleren, den Río Antigua und das Meer. Die dichten Wälder mit Storax, Pfeffer, Melastomen und Baumfarnen, vor allem zwischen dem Ufer des kleinen Sees Los Berrios und dem Höhenweg nach Huastepec, bieten angenehme Spazierwege.«
    Das Meer kann man von Xalapa aus selbst an klarsten Tagen nicht sehen, aber ich will zugestehen, dass von der Übersetzung aus dem Französischen übers Spanische ins Deutsche ein Blick hineingerutscht sein könnte, wo im Original keiner war. In einer anderen Frage legt der preussische Beamte unbestechlich den Finger in die Wunde:
    »Der Himmel von Jalapa, majestätisch und heiter im Sommer, stimmt in den Monaten Dezember bis Februar melancholisch; immer wenn in Veracruz der Nordwind weht, bedeckt ein dichter Nebel die Einwohner von Jalapa und das Thermometer sinkt bis auf 12 Grad. Dann können zwei oder drei Wochen vergehen, in denen weder Sonne noch Sterne zu sehen sind.«

Aus: Alexander von Humboldt, Essai politique sur le royaume de la Nouvelle Espagne. (Meine Übersetzung der spanischen Übersetzung Ensayo político del virreinato de la Nueva España, Edición Porrua)

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