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Sonntag, 20. November 2011

Frohe Weihnachten!

Als meine Schwägerin Adriana hörte, dass wir am Wochenende nach Mexiko fahren wollten, rief sie an, um uns zu warnen: Wir sollten lieber zuhause bleiben, die Stadt werde sich in ein Inferno verwandeln. Im ganzen Land sei eine gigantische Verkaufsaktion geplant. Die großen Kaufhausketten wollten nach dem Vorbild der Gringos von Freitag bis Montag beispiellose Rabatte geben, und der Präsident habe die Auszahlung des Weihnachtsgelds für die Staatsbediensteten vorgezogen, damit sie die Aktion nutzen konnten. Buen fin -- schönes Wochenende hieß diese noch nie dagewesene Gemeinschaftsinitiative von Staat und Einzelhandel.
    Weil wir eine Verabredung hatten, fuhren wir trotzdem in die Stadt. Vom Verkehr bekamen wir kaum etwas mit, aber Adriana, die direkt hinter einem großen Einkaufszentrum wohnt, berichtete uns atemlos von den Menschenmassen, die in die Kaufhäuser stürmten und bergeweise Fernseher und Computer herausschleppten. Abends in den Nachrichten lauschten wir dem Präsidenten, der el buen fin als Maßnahme zur Stärkung der Wirtschaft und des Verbrauchervertrauens feierte. Dazwischen sahen wir Werbespots mit glücklichen Konsumenten, die verkündeten: "Jetzt sind wir dran" und "Es wurde ja auch Zeit".
    Adriana meinte nur trocken: "Im Januar sind die alle pleite, weil sie ihre Kreditkarte nicht abbezahlen können."
    Am nächsten Tag trafen wir Adriana wieder. Sie schäumte. Ihr Mann war in ein Kaufhaus gegangen, um sich eine Jacke zu kaufen, die er schon länger im Auge gehabt hatte. Sie hatte die ganze Zeit 600 Pesos gekostet, und da im Schaufenster 30 Prozent Rabatt versprochen worden waren, hätte sie nun eigentlich um die 400 Pesos kosten müssen. Tat sie leider nicht. Auf dem Preisschild stand "Statt 900 jetzt nur noch 600 Pesos".
    Die Verarschung ist doch in aller Welt dieselbe. Genau wie die Leichtgläubigkeit.
    Occupy Main Street.

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