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Samstag, 7. April 2012

Wandertag 2

Heute bin ich wie angekündigt mit der neu entdeckten Wandergruppe auf den knapp 4300 Meter hohen Cofre de Perote gestiegen, unseren Hausberg, den wir jeden Morgen beim Laufen sehen. (Lulú ist zuhause geblieben, weil ihre Eltern zu Besuch sind.) Obwohl der Cofre Luftlinie kaum weiter entfernt ist als Teocelo, das Ziel der Vorwoche, hätte die Landschaft kaum unterschiedlicher sein können -- statt durch den üppig grünen Nebelwald mit Bananenstauden und Kaffeeplantagen ging's diesmal durchs karge Hochgebirge mit Kiefernwäldern und blanken Felsen.
    Wir waren diesmal nur ein kleines Grüppchen mit acht Leuten. Mit Bus und Taxi sind wir zum Weiler El Conejo gefahren, der auf 3300 Metern am Eingang zum Nationalpark liegt und die letzte Ortschaft unterhalb des Gipfels ist. Von dort aus sind wir aufgestiegen. Wobei "steigen" zu viel gesagt ist, denn unser Weg war zwar ziemlich steil, aber kraxeln mussten wir nicht. Wenn es trotzdem anstrengend war, dann lag das an der Höhe. Vor der hatte ich einen Heidenrespekt -- und nicht zu Unrecht, wie sich herausstellen sollte. Eine Señora aus der Gruppe musste schon nach dem ersten Kilometer umkehren, weil sie in der Höhenluft heftige Kopfschmerzen bekam. Wegen der dünnen Luft sind wir im Schildkrötentempo über Trampelpfade den Berg hinaufgeschlichen. Auf dem allerletzten Stück, einer steilen Treppe, die auf den kofferförmigen Gipfel führt, konnte ich mich vor lauter Schwindel nicht entscheiden, ob ich auf die Felsen kotzen oder lieber gleich in die Tiefe stürzen soll. Aber der Ausblick war es wert: Keine Fernsicht, dafür überraschende Nahsicht. 


Die linke Seite geht runter zum Meer, das Luftlinie etwa fünfzig Kilometer entfernt liegt. Wir hatten Glück und wurden beim Abstieg nur ein bisschen von den Wolken eingehüllt, und im Regenschatten des Cofre schien sogar die Sonne. Dreitausend Meter tiefer, in Xalapa, ging dagegen ein stundenlanger Wolkenbruch nieder.

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