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Freitag, 1. Oktober 2010

Karl und kein Ende

Im April haben wir auf dem Rückweg von Catemaco nach Xalapa zwei Tage Zwischenstopp in Tlacotalpan gemacht, einem kleinen Ort auf einer Insel im Río Papaloapan im Süden von Veracruz. Bis ins 19. Jahrhundert war das Örtchen ein wichtiger Hafen, aber da die großen Schiffe die Flussmündung nicht mehr passieren konnten, legen an der Mole nur noch die Fischer an, die Besucher an der Promenade entlang schippern, damit diese ihre kitschigen Touristenfotos machen können (siehe oben). Die meisten der gut fünfhundert Gebäude aus der Kolonialzeit sind liebevoll restauriert, 1998 wurde das einmalige Ensemble ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Wir haben damals in einem historischen Hotel direkt am Fluss übernachtet, leckeren Fisch gegessen und abends auf dem Platz ein Konzert gehört. Nach dem Regen der letzten Wochen tummeln sich in unserem Bett von damals vermutlich die Fische, und auf dem Platz plätschert die Wassermusik.
    Nachdem vor zwei Wochen Wirbelsturm Karl Tlacotalpan unter Wasser gesetzt hatte, folgte Anfang dieser Woche das tropische Tief Matthew mit biblischen Regenmengen. Der Pegel des Papaloapan steht 4 Meter über normal und der Ort anderthalb Meter unter Wasser, und zwar komplett. Dem Rest der Küstenebene geht es nicht besser. Im Bundesstaat Veracruz können 150.000 Menschen noch immer nicht in ihre Häuser zurück; da es keine Notunterkünfte gibt, campieren sie oft auf der etwas erhöht gelegenen Küstenstraße mit Blick auf ihre überfluteten Häuschen. Trinkwasser ist knapp, Typhus und Dengue breiten sich aus. Wann die Pegel wieder sinken, weiß keiner: Es hat zwar während der letzten drei Tage nicht mehr geregnet (!), aber in den Bergen von Oaxaca laufen die Stauseen über.



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