Es gibt durchaus Formen des Broterwerbs, zu denen keine Wälder gerodet werden müssen. In Playa Hermosa und einigen umliegenden Weilern gehen die Bewohner zum Beispiel der Strandfischerei nach. Es handelt sich um eine besondere Form des kollektiven Fischfangs, die früher offenbar in ganz Mexiko verbreitet war und heute nur noch in wenigen Regionen praktiziert wird. Morgens wird das Netz ausgelegt und nachmittags von den Dorfbewohnern gemeinsam eingeholt. Das Netz gehört einem der Fischer, der den Fang mit nach Hause nimmt und ein paar Fische unter die Helfer verteilt. Am nächsten Tag wird das Netz eines anderen Fischers ausgelegt, und so weiter, bis jeder mal dran war.
So romantisch-ursozialistisch das klingt, nachhaltig ist es leider nicht. Am Tag nach unserer Ankunft mussten wir zusehen, wie die Fischer einige dicke Fische aus ihrem Netz holten und Tausende Sardinen im flachen Wasser und auf dem Strand verenden ließen, wo sie von den Fregattvögeln und Hunden gefressen wurden. Als wir die Helfer fragten, warum sie die Sardinen nicht verwerteten, erklärten sie uns, sie könnten sie nicht verkaufen. Der nächste größere Markt ist weit weg, Fischindustrie gibt es keine, und wie viele Sardinen kann man denn schon essen?
Armut zerstört nicht nur das Leben der Armen, Armut ist eine
Bedrohung für alle. Den Armen fehlt es nicht nur an materiellen, sondern
vor allem an den immateriellen
Ressourcen, sprich dem Wissen, um die vorhandenen materiellen
Ressourcen zu nutzen und zu erhalten. Solange die Menschen in den
Tuxtlas und anderen Regionen der Welt keine Möglichkeiten bekommen, sich
zu ernähren, ohne Wälder zu roden, Arten auszurotten und Drogen
anzubauen, so lange ist das Wort Nachhaltigkeit ein nachhaltig
schlechter Witz.




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