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Dienstag, 5. Juni 2012

Leben im Paradies

"Wir haben hier keinen Handyempfang, kein Telefon, kein Internet, keinen Arzt, und das nächste Krankenhaus ist eine Stunde entfernt." So beschreibt uns Marcela Krauss das Leben in Playa Hermosa, dem "schönen Strand". Für Urlauber wie uns klingt das idyllisch, aber für die Menschen in der Gegend ist es alles andere als das. Deshalb ist unsere neue Bekannte gerade dabei, eine Initiative zu gründen, um Ersthelfer und vielleicht sogar Hebammen auszubilden. Dafür gibt es theoretisch Geld vom Staat, aber sie schlägt sich seit sechs Jahren mit den Auflagen der Bürokratie herum, die der Gründung einer gemeinnützigen Vereinigung unüberwindliche Hürden in den Weg legt.

   Auch für den Umweltschutz gibt es Zuschüsse, denn die Ortschaften an der Küste gehören zum Biosphärenreservat "Los Tuxtlas" rund um die beiden Vulkan San Martín und Santa María. Aber das Geld verschwindet in den Taschen der Funktionäre, es werden Scheinprojekte finanziert, während viele echte Projekte abgelehnt werden. Wenn man von der Küste aus ins Hinterland blickt, sieht man recht schnell, wie es um den Naturschutz bestellt ist: Die Waldflächen werden überall von Weiden durchbrochen (oder umgekehrt?), auf denen ein paar dürre Zebu-Rinder herumstehen. 
    Aber wovon sollen die Menschen der Region leben? Vom Tourismus? "An Ostern kommen ein paar Touristen, zelten am Strand und lassen ihren Müll da, das ist alles. Wir haben auch keinen echte Ökotourismus, weil die Leute der Region nicht ausgebildet werden. Die wissen doch gar nicht, was Touristen wollen", meint Marcela. Außerdem sind die Tuxtlas zu weit von der nächsten Großstadt entfernt, um für Touristen attraktiv zu sein.
    Marcela ist trotzdem optimistisch. Zusammen mit ihrem Partner Alejandro hat sie eine Anlage zum Recycling von Pet-Flaschen aufgemacht. Das Geld dafür kam von der UNESCO, doch ein Teil der versprochenen Summe verschwand in den Taschen der Verwalter des Biosphärenreservats, weshalb sie keinen gebauchten Lastwagen anschaffen konnten, um die Flaschen einzusammeln. Doch sie lassen sich nicht beirren und haben eine kleine Trinkwasseraufbereitungsanlage eingerichtet, die Wasser in 20 Liter-Flaschen verkauft. Daneben wollen sie organischen Salat anbauen. 
    "Wir sind pensioniert und haben nichts zu tun", meint sie. "Die Landschaft der Tuxtlas ist einmalig, und wir tun was wir können, um sie zu erhalten."

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