

Der Karfreitag beginnt schon früh mit einer Schweigeprozession, an der hunderte berittene römische Soldaten teilnehmen. Am Ende marschieren Pilatus, Soldaten, die das Kreuz, die Nägel und die Peitsche tragen, sowie ein Judas, der seine Münzen zählt. Mit von der Partie sind außerdem ein Johannes und eine Veronika (die mit dem Tuch). Die Prozession zieht in den Kirchhof ein, die Reiter stellen sich vor der Kirche zum Spalier auf und ein Soldat reitet auf und ab und verliest laut ein Urteil über den Nazarner, das so nirgends in der Bibel stehen kann. Danach beginnt unter der stechenden Aprilsonne der Kreuzweg.Aber in Malinalco bleibt der Karfreitag entspannt, anders als in Taxco oder Iztapalapa bricht kein Jesus-Darsteller unter dem Kreuz zusammen. Niemand lässt sich zur Buße auspeitschen, niemand geißelt sich mit Dornen, niemand legt sich in Ketten, es fließt kein Blut und niemand stirbt. Stattdessen wird eine Holzfigur mit ein paar Engelchen um den Hof getragen.
Trotz der gravitätischen Stimmung erinnert die Karfreitagsmesse gelegentlich an ein Picknick. Die Gläubigen sitzen im Schatten der Bäume auf dem Boden und der Pfarrer muss sie immer wieder ermahnen, kein Eis zu essen. Viele interessiert das nicht, sie holen sich vom Markt kalte Cola, Quesadillas oder gebratene Maiskolben. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen.
Überhaupt hat der Pfarrer offenbar recht wenig zu sagen. Nachdem alles vollbracht ist, ermahnt er die Gläubigen, der Karsamstag sei ein Tag der Einkehr. Doch das interessiert die Malinalca wenig. Sie postieren ihre Totenwache neben der Kirche und am nächsten Morgen marschieren sie schon wieder durchs Dorf.Wer schon Fasching ausfallen lässt, um die Fastenzeit vorzuziehen, der lässt sich am Ostersamstag doch nicht von seiner Prozession abhalten! Oder war es umgekehrt, und der Fasching hat nie aufgehört?

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