"Schauen wir mal, ob er dir gefällt!"
Sie schlägt das Papier auf, holt einen weinroten Samtumhang heraus und hält ihn hoch. Er ist mit goldenen Pailletten bestickt und trägt das Bild eines Totenkopfs, aus dem dicke Grashalme sprießen - das Wappen von Malinalco. Der Junge strahlt.
"Danke, Vane!"
"Und die anderen Sachen sind fertig? Die Sandalen?"
Alejandro nickt.
"Dann ist ja alles klar für Sonntag!"
Nachdem der Junge mit dem Paket unterm Arm zur Tür hinaus ist, erklärt mir Vane: "Ich bin die Umhang-Patin." Und als sie meinen fragenden Blick sieht, fügt sie hinzu: "Alejandro ist Jude."
Am Palmsonntag sehe ich Alejandro vor dem großen Eingangstor des Kirchhofs stehen. Ich hätte ihn fast nicht wiedererkannt. Auf dem Kopf trägt er einen silbernen Plastikhelm mit einer blauen Feder, in der Hand einen Holzspeer, und an den Füßen geflochtene Sandalen. Neben ihm stehen zwei Dutzend junger Männer in derselben Montur und derselben ernsten Miene. Und vom Markt her kommend marschieren trommelnd, pfeifend und trötend mindestens hundert Knaben von seiner Sorte hinter der lebensgroßen Figur eines langhaarigen Mannes auf einem Esel her.
Das sind also die Juden. Ich hätte sie fast mit römischen Soldaten verwechselt. So kann man sich irren.


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen