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Sonntag, 18. Juli 2010

Fiesta Mexicana

Sie ist das mexikanische Festtagsgericht, doch in Deutschland hat sie kein "Mexikaner" auf der Speisekarte. Kein Wunder, denn die Zubereitung erfordert herkuläische Anstrengungen von den Köchen, und der Nährstoffgehalt ist mit dem Kalorienbewusstsein einer nicht-mexikanischen Esserschaft kaum zu vereinbaren. Aber in Mexiko ist eine Fiesta ohne sie keine Fiesta: die Chilli-Schokoladen-Soße mit dem Namen Mole. Und weil die Mole eine derart wichtige Institution ist (und weil die Mexikaner so gern feiern), wird die Mole nicht nur während jeder Fiesta gegessen, sondern sie bekommt natürlich auch ihre eigene Fiesta. Wie dieses Wochenende in Xico. 

Für die meisten Mexikaner kommt Mole aus Puebla oder aus Oaxaca, Punkt. Die wenigsten wissen, dass es in der Sierra von Veracruz auch Mole gibt -- eine süße, fruchtige Variante, in die nicht nur vier oder fünf Sorten Chilli, Tomaten, Knoblauch, Zwiebeln, Nüsse, Schokolade und so weiter gerührt werden, sondern auch Bananen, Äpfel und andere Früchte. Die Mole aus Veracruz ist eine Bombe und macht definitiv süchtig.

Eine der Mole-Hochburgen ist Xico, das zwanzig Kilometer von Xalapa entfernt in den Bergen liegt. In Xico wird am kommenden Donnerstag, den 22. Juli die Kirchenpatronin Maria Magdalena mit Stierkampf und einer "Xiqueñada" (das Gegenstück zur Pamplonada) gefeiert. Und da in Mexiko jede Fiesta mindestens eine Woche dauert, ging es schonmal diesen Samstag mit einer Mole-Schlemmerei los. Sämtliche Restaurants und Molekocher von Xico hatten lange Tische um den Marktplatz aufgebaut und endlose Platten mit Enmoladas (in Mole gebadete Tacos) aufgebaut. Redner redeten, Kinder tanzten, der Bürgermeister schnitt ein Band durch, und dann stürmten die Besucher das Buffett. Am Abend, als keiner mehr papp sagen konnten, wurde ein Feuerwerk abgebrannt.

Aber eigentlich ging die Fiesta schon Anfang voriger Woche los, als die Mole gekocht wurde. Die Zubereitung dauert mindestens drei Tage, und dazu versammelt sich die ganze Familie in der Küche einer Tante, die über ein legendäres und streng geheimes Mole-Rezept verfügt. Dort werden die Zutaten vorbereitet, von Hand gemahlen und am Ende stundenlang in einem Riesenbottich geköchelt. Bei der Gelegenheit tröten Mariachis und der Kräuterschnaps "Verde" fließt in Strömen. Am Freitag fand dann ein Umzug durch den Ort statt, und die Musiker und Teilnehmer wurden auf dem Marktplatz verköstigt, mit frischer Mole, versteht sich.

Aber eigentlich ging die Fiesta ja schon viel früher los, als sich die Majordomos von Xico sich trafen, um... Aber eigentlich fängt die Fiesta nie an und hört auch nie auf.

2 Kommentare:

Andreas hat gesagt…

Oh ja, Mole, yummy! Und mit der fertigen Paste von Euch so schnell gemacht! Das ist doch eine prima Idee für das nächste Wochenende, auch ganz ohne Fiesta! Es gibt hier übrigens auch ein Mole-Gewürz von einer kleinen Manufaktur aus Klingenberg zu kaufen, das man nur noch mit etwas Flüssigkeit anrühren muss und voilà - naja, es vermittelt zumindest eine kleine Idee von dem, was mexikanische Küche abseits von Tacos und dem übrigen Tex-Mex auch noch sein kann...
Experten empfehlen den Direkt-Import;-)

Jürgen Neubauer hat gesagt…

Man bekommt die Sachen inzwischen auch übers Internet. Das Angebot ist zwar reichlich schmal, aber besser als nichts!