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Montag, 11. Juli 2011

Auf dem falschen Fuß

Nach einer anstrengenden Woche mit einer ermüdenden Übersetzung wollten wir uns am Sonntag mit einem leckeren Essen in Xico belohnen. Am Ortsausgang von Coatepec kamen wir an einem großen Plakat vorüber: 22. Juli: Xiqueñada mit 12 Stieren. Die Xiqueñada ist der Stierauftrieb mit anschließendem Stierkampf in der Arena, der jedes Jahr in Xico zu Ehren der Dorfpatronin Maria Magdalena veranstaltet wird. Während wir noch überlegten, ob wir dieses Jahr vielleicht wieder hinfahren, kamen wir an eine Straßensperre an der der Verkehr auf eine Schotterpiste umgeleitet wurde. Der Weg führte auf Serpentinen durch Kaffee- und Bananenplantagen.
    "Vielleicht hat es die Landstraße unterspült", vermutete Lulú. Aber nein, das war es nicht.

   Als wir schließlich über einen Feldweg an den ersten Häusern von Xico vorbeikamen, stockte der Verkehr. Wir stellten das Auto am Straßenrand ab und gingen zu Fuß zum Restaurant El Campanario, dessen Terrasse an einer kleinen Kreuzung liegt. Dort fragten wir einen Kellner, was denn los sei, aber die Frage ging im Geknall der Böller unter, das von der Hauptstraße heraufdröhnte. Als sich der Lärm gelegt hatte, klärte uns der Kellner auf. Bis zum großen Tag der Maria Magdalena waren es zwar noch fast zwei Wochen, aber es wurden schonmal unter Prozession und Tanz und Musik und Geböller die Blumen ins Dorf gebracht, aus denen in den kommenden Tagen der Bogen für das Kirchportal hergestellt wird.
    Leider verkeilte sich dank der Heiligen vor unserer Ausflugsterrasse der Verkehr in alle Richtungen. Im Motorenlärm, dem Abgasqualm, dem Hupkonzert und dem Böllergeknalle verlief unser Essen ungefähr so friedlich wie ein Adventssamstag auf der fünfspurigen Avenida Universidad vor dem Einkaufszentrum von Coyoacán. Nach einer guten Stunde war mir der Appetit auf Stierauftriebe, Heilige, Dorffeste, Prozessionen und sogar Mole gründlich vergangen. Auch das gibts.
    Aber inzwischen hat sich der Frust wieder gelegt. Vielleicht fahren wir ja doch zur Xiqueñada nach Xico, um den Stieren zuzujubeln, wenn sie die Dorfjugend auf die Hörner nehmen. Oder besser noch nächstes Wochenende, wenn es gratis Mole gibt.
    (Der Bürger mit dem spitzen Hut auf dem Bild oben ist übrigens ein versprengter Prozessionsteilnehmer, der dringend nach Hause telefonieren muss. Die Dame unten ist die Chefin von Xico. Das grüne Büschel neben ihr sind die "Blumen", die Blätter einer ganz bestimmten Palme, aus denen die "Löffel" gemacht werden, die wiederum den Bogen verzieren.)

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