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Donnerstag, 24. Juni 2010

Sommerferien!

Nachdem Moisés am Freitagabend die indische Bimmel von der Tür genommen und seinen Buchladen zugeschlossen hatte, zogen Lulú und ich mit ihm und Tonatiuh los, die Hügel von Xalapa hinauf in die Altstadt und in die kleine Studentenkneipe La Central unter der Brücke Xallitic. Nach einigen Biers und Minipizzas erzählte Tona, der in einer Oberstufe unterrichtet (ich möchte ihn deswegen aber keinesfalls als "Lehrer" bezeichnen), die Sommerferien in Veracruz seien kurzfristig um drei Wochen vorgezogen worden und fingen kommenden Montag an. Kommenden Montag! Ich war entsetzt und schlagartig nüchtern.

So sehr's die Kinder freuen mag, für mich war das eine Hiobsbotschaft. Sofort lief ein Film vor meinem inneren Auge ab und ich sah die Zwerge aus der Nachbarschaft, wie sie von Sonnenaufgang bis weit nach Sonnenuntergang direkt vor dem Fenster meines Arbeitszimmers Fußball spielen, Rollschuh laufen, Basketbälle dobsen, radfahren, herumkrakelen und überhaupt einen Riesenlärm veranstalten, während ich verzweifelt an meinem Computer sitze und versuche zu arbeiten. Denn ich habe natürlich keine Ferien und diverse Deadlines im Nacken.

Tona war kreuzunglücklich und klagte mit weinerlicher Stimme, er müsse von Jetzt auf Gleich bergeweise Abschlussprüfungen erfinden und korrigieren."Denkt bloß nicht, dass das für mich so toll ist. Ich komme kaum noch zum Schlafen!" heulte er in sein Bier. Er hatte mein Mitleid. Nachdem ich mich von meinem Schock erholt hatte, fragte ich ihn, warum denn bloß die Ferien vorgezogen worden waren.

"Ach, wegen der blöden Wahlen natürlich."

Am 4. Juli finden in Veracruz Gouverneurs- und Bürgermeisterwahlen statt, und seit Jahresbeginn gibt es kein anderes Thema mehr. Trotzdem war mir der Zusammenhang nicht so ganz klar.

"Aber wieso? Was haben die damit zu tun? Streikt jetzt die Lehrergewerkschaft, damit der pädophile Yunes von der PAN Gouverneur wird?"

"Ne, die hat damit nichts zu tun. Die Regierung von Veracruz hat Angst, dass es vorher und nachher Schießereien mit den Drogenmafias gibt. Deswegen haben sie die Ferien vorgezogen, um die Kinder aus der Schusslinie zu nehmen."

Gut, dass wir gefragt haben.
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Das Foto habe ich übrigens vorigen September im Hotel Azucar an der Küste von Veracruz aufgenommen.

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