Die Regenzeit war trocken, im Norden des Landes fielen weniger als die Hälfte der üblichen Niederschläge. Folge: Eine miese Maisernte. Genau der Moment, auf den die Agrarindustrie gewartet hat. Der Genmais wird es richten, jubeln die Vertreter von Monsanto. Und die Politiker, von denen einige bis vor Kurzem auf der Gehaltsliste des US-Konzerns standen, halten die eine Hand auf und stellen mit der anderen Genehmigungen aus. Wärs doch nur ein schlechter Film.Die Genmais-Lüge
Dabei sind nach anderhalb Jahrzehnten des kommerziellen Anbaus von Genmais in den USA sämtliche Heilsversprechen der Agrarkonzerne widerlegt. Die Erträge sind nicht besser, sondern schlechter. Es werden nicht weniger Gifte und Düngemitteln verwendet, sondern mehr. Das Saatgut wird teurer. Der Mais ist unfruchtbar und lässt sich nicht als Saatgut verwenden. Die Bauern werden zu Sklaven der Konzerne. Über die Windbestäubung verseucht der Genmais andere Sorten und macht sie unfruchtbar. Genmais verursacht Leber- und Nierenschäden und beeinträchtigt die Fruchtbarkeit und Fötusgröße. Macht aber nichts, dass der Genmais niemandem nützt. Er bringt ja Geld in die Kassen der Agrarindustrie und ihrer Lakaien.
Der Mais in Mexiko
In Mexiko ist die Situation doppelt traurig. Der Mais kommt aus Mexiko und ist hier Hauptnahrungsmittel. In Jahrtausenden haben die Ureinwohner aus einem Grashalm den zweitwichtigsten Ernährer der Menschheit gezogen. Sechzig verschiedene Sorten und hunderte Unterarten haben sie gezüchtet, die hervorragend an ihre Umwelt angepasst sind: Die einen wachsen in den schwülen Tropen, andere im trockenen Hochland. (Der Mais auf dem Foto wächst auf 2500 Metern Höhe, die violetten Blätter schützen den Kolben vor der UV-Strahlung.) Diese Arten sind nun gefährdet. Und das, obwohl sie deutlich resistenter gegen Schädlings- und Pilzbefall sind als jeder Industrie- und Gemais. Wer wirklich ein Interesse daran hätte, schädlingsresistente und ertragreichere Pflanzen zu züchten, könnte auf dieses Erbgut aufbauen. Aber genau darum geht es Monsanto, BASF und ihren Komplizen ja nicht. Es geht nur darum, sich die Taschen vollzustopfen.
Warum ich das alles schreibe? Weil ich genervt bin, dass wir demnächst verseuchte Tortillas und Pozoles essen, und dass aus Gier eine ganze Kultur platt gemacht wird. Und weil sich einmal mehr zeigt, dass die politische Klasse ein ärgerer Fluch ist als jeder Schmarotzer, jeder Schimmel, jeder Schädling. Eiternde Furunkel am Arsch des Volkes, ohne Ausnahme.
Quelle:
Ana de Ita, "Sembrando viento: maíz transgénico en el norte del país". La Jornada, 19.11.2011

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