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Samstag, 4. Juni 2011

Postkarte aus Coatepec

Obwohl Coatepec kaum fünf Kilometer entfernt liegt und wir fast jeden Samstag zum Einkaufen dorthin fahren, habe ich es bislang nicht geschafft, die Kamera mitzunehmen und ein paar Fotos zu machen. Das habe ich heute nachgeholt.
    Coatepec liegt zehn Kilometer südlich von Xalapa, und obwohl wir ziemlich genau in der Mitte zwischen beiden wohnen, sind wir streng genommen keine Xalapeños mehr, sondern Coatepecanos.
    Was mir nur recht ist, denn Coatepec ist in jeder Hinsicht sympathischer als Xalapa mit seinen engen, steilen Gassen, auf die es selbst aus blauem Himmel zu nieseln scheint. Hier ist das Klima besser, der Blick weiter und morgens, ehe sich die Wolken die Sierra hinaufschieben, sieht man hoch über dem Ort den kastenförmigen Cofre de Perote. Coatepec ist ein "pueblo mágico", eine Art Luftkurort, was bedeutet, dass hier regelmäßig mit staatlichen Mitteln die historischen Gebäude gestrichen und die Schlaglöcher geteert werden. Aber vor allem ist Coatepec die Kaffeehauptstadt von Veracruz. Im Zentrum reiht sich eine Kaffeerösterei an die andere, durch die Straßen wehen aromatische Wolken aus den Röstmaschinen.
    Trotz seiner gut 40.000 Einwohner fühlt sich Coatepec eigentlich eher an wie ein Dorf. In der Kirche des Heiligen Jerónimo gehen Frauen mit bunten Einkaufstaschen ein und aus, während über den Platz der Duft von gebratenen Bananen zieht, Kinder um Eisverkäufer drängen, Schuhputzer auf ihren Hochsitzen dösen und dichte Trauben von Luftballons um den Musikpavillion schweben. Hierher kommen wir jeden Samstag, um zu frühstücken, von einem Café auf das Wohnzimmer der Coatepecanos zu schauen und irgendwann auf den Markt zu gehen. Genau die richtige Dosis Stadt nach einer Woche Wald.



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