archivo
Samstag, 5. März 2011
Schuldig bis zum Beweis der Unschuld
"Der Film, den ganz Mexiko sehen muss!"
"Auf den Punkt, bewegend, hervorragend erzählt. Lässt das Schlimmste befürchten und das Beste hoffen."
Carlos Loret de Mola
Antonio Zúñiga, kurz Toño, wird auf der Straße von zwei Polizisten aufgegriffen und ins Gefängnis gebracht. Er wird beschuldigt, einen Mann umgebracht zu haben, den er nicht kannte und mit dem er nie im Leben zu tun hatte. Nach einem Verfahren, das den Namen Prozess nicht verdient, in dem er nicht einmal den Richter zu Gesicht bekommt und seine Zeugen nicht gehört werden, wird er zu 20 Jahren Haft verurteilt. Die beiden Jurastudenten Roberto Hernández und Layda Negrete stoßen zufällig auf seinen Fall. Sie erzwingen ein neues Verfahren, das sie mit einer Kamera begleiten und engagieren Rafael Heredia, der Toño kostenlos verteidigt. Das Ergebnis ist ein außergewöhnlicher und bewegender Dokumentarfilm über die Korruption und eine einmalige Ungerechtigkeit des mexikanischen Rechtssystems: In Mexiko gelten Angeklagte so lange schuldig, bis sie ihre Unschuld bewiesen haben. Nachdem erst kein Verleih den Film Presunto Culpable anfassen wollte, wurde er sofort nach seinem Kinostart vor knapp zwei Wochen zum Überraschungserfolg und hat in 10 Tagen 18 Millionen Pesos Gewinn eingespielt, die einer neu gegündeten Stiftung zur Unterstützung von Justizopfern zugute kommt.
Vorgestern hat eine Richterin die Aufführung des Films mit einer einstweiligen Verfügung untersagt. Begründung: Einer der Zeugen, der Toño vor Gericht mit einer Falschaussage belastet, habe nicht in die Aufnahmen eingewilligt. Wie der Knabe, der offenbar kaum lesen und schreiben kann, diese Verfügung erwirkt und woher er das Geld dazu gehabt haben soll, ist ein Rätsel, weshalb schon gemutmaßt wird, dass er lediglich ein Strohmann ist oder von den beteiligten Polizeibeamten bedroht wird. Die Folge war ein gewaltiger Protest in den Medien und vor allem im Internet. Der Film läuft allerdings bis auf Weiteres weiter, da die Produzenten bislang keine offizielle Benachrichtigung des Gerichtsvollziehers erhalten haben.Gut, dass das Justizsystem wenigstens in allen Belangen gleichermaßen versagt.
Zwischenzeitlich war der vollständige Film mit englischen Untertiteln im Internet zu sehen, wurde aber inzwischen wieder entfernt. Deswegen stattdessen hier nur der Teaser:
"The Making of":
Und ein Bericht der BBC, der sich leider nicht einbauen lässt.
Und der Vorgängerfilm, El túnel, ebenfalls von Roberto Hernandez und Layda Negrete:
Und zum Schluss ein Link zu einem längeren Artikel im CulturMag.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
1 Kommentar:
PRESUMED GUILTY / PRESUNTO CULPABLE hat Deutschlandpremiere am Sonntag, 27.3.2011, 11.30 Uhr, im ARRI Kino München.
Der Film ist Abschlussfilm der Dokumentarfilmreihe “BEST.DOKS – Unrecht braucht Zeugen”, eine Kooperation von Human Rights Watch und ARRI Kino.
Co-Regisseur Geoffrey Smith wird an einem Publikumsgespräch nach dem Film teilnehmen!
Mehr Informationen auf http://www.bestdoks.de
Kommentar veröffentlichen